Weihnachtsgeschichte: Emma und der Weihnachtsengel

Von Whitney Schwark

Es war einmal in dem verschneiten StÀdtchen Morgenstern, wo die Menschen sich auf das festliche Weihnachtsfest vorbereiteten.

In einer gemĂŒtlichen Straße lebte die Familie MĂŒller. Sie schmĂŒckten gemeinsam das Haus mit Lichtern und traditionellem Weihnachtsschmuck, wĂ€hrend Emma, die kleine Tochter dabei half den Tannenbaum zu dekorieren. Sie alle nahmen mit besonderer Freude die dörflichen Traditionen wahr, sei es das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern oder das Basteln von handgemachten Dekorationen. Jede Familie im Dorf hatte ihre eigenen Traditionen, aber am Ende waren sie doch alle gleich: die AtmosphĂ€re von Liebe, Zusammengehörigkeit und Freude wurde von allen gleichermaßen geteilt.

Emma, konnte vor Aufregung kaum noch stillsitzen, denn dieses Jahr war das erste Jahr, welches Emma bewusst miterlebte mit ihren 5 Jahren. Zum ersten Mal war sie von der Magie des Festes eingefangen. Aber die Magie hatte kindliche Grenzen.

Familie MĂŒller hatte eine liebenswerte Tradition: Sie teilten ihre Spielsachen und Leckereien mit den Kindern im Nachbarviertel. Denn wie sich zeigte, waren die Familien so unterschiedlich, wie ihre Traditionen. Und es gab viele Kinder, die nicht so reich beschert waren, wie die von Familie MĂŒller. Doch dieses Jahr war Emma nicht begeistert von der Idee. „Warum mĂŒssen wir immer teilen, Mama? Die anderen Kinder haben doch genug.“ Ein kleiner Konflikt bahnte sich an.

Doch Emma war nicht bewusst, dass es Familien gab, die ihr buchstĂ€blich letztes Hemd dafĂŒr gaben, ihren Kindern ein schönes Fest zu bescheren.

In einer verschneiten Nacht, als die Sterne funkelten und der Schnee die Straßen bedeckte, erschien plötzlich ein Weihnachtsengel vor Emmas Fenster. Mit sanften FlĂŒgelschlĂ€gen und einem warmen LĂ€cheln schwebte der Engel in das Zimmer von Emma. „Wer bist du?“ Emma staunte.

„Ich bin Elinora, der Weihnachtsengel, und ich bin hier, um dir zu helfen, den wahren Geist von Weihnachten zu verstehen“, verkĂŒndete sie mit einem sanften LĂ€cheln.

Die großen FlĂŒgel, das strahlende LĂ€cheln und die festliche Erscheinung ließen Emmas Augen leuchten. Noch nie hatte Emma ein solches Wesen erblickt.

Elinora nahm Emma mit auf eine magische Reise durch die Stadt. In den bescheidenen HĂ€usern beobachtet Emma die vielen Familien, die in tiefer Bescheidenheit, aber ĂŒberreich an Liebe und Geborgenheit lebten. Sie sah in Kinderzimmer hinein und erblickte kahle WĂ€nde, abgenutztes Holzspielzeug und kaputte kleine PĂŒppchen.

Aber Elinora zeigte ihr auch die Freude in den Augen der Kinder, die durch das Teilen einander glĂŒcklich machten. Aber Emma verstand immer noch nicht. Wie denn auch mit ihren 5 Jahren. Doch das kommende Fenster sollte dies Ă€ndern.

Denn es war das Fenster eines MĂ€dchens, das Emma sehr bekannt vorkam. So Ă€hnlich war dieses MĂ€dchen, dass Emma sich sofort mit ihr verbunden fĂŒhlte.

„Das ist Luisa. Sie ist auch 5 Jahre alt, so wie du,“ sagte Elinora. Emma konnte dieses GefĂŒhl nicht zuordnen und sah sich weiter um. Das Wohnzimmer war völlig leer an WĂ€rme und Erinnerung, keine Bilder an der Wand, kein wĂ€rmender Ofen, kein Spielzeug fĂŒr das MĂ€dchen, keine Haustiere. Nichts. Nur eine Ă€ltere Frau und Luisa. „Ist das ihre Mama?“ fragte Emma. Der Engel sagte ja.

„Aber wo ist der Papa? Wo sind ihre Spielsachen? Warum haben ihre Schuhe Löcher?“ Emma war sichtlich erregt und konnte nicht verstehen, warum Luisa und ihre Mama dennoch so zufrieden aussahen und glĂŒcklich.

„Es sind nicht nur Geschenke, sondern Liebe und Verbundenheit, was uns wirklich glĂŒcklich macht“, erklĂ€rte Elinora. „Ob du Spielsachen hast, einen wĂ€rmenden Ofen oder saubere und neue Kleidung, all das bedeutet nichts, wenn du keine Liebe in deinem Zuhause spĂŒrst, wenn du vielleicht sogar kein Zuhause hast,“ erklĂ€rte sie weiter. „Möchtest du wissen, wer Luisa ist und warum sie dir so bekannt vorkommt?“ Emma nickte eifrig. „Das ist deine Mutter, kleine Emma. Bevor ihr Jetzt-Leben begann, war sie auch eines „dieser“ Kinder. Und es waren Kinder, wie dein Vater, liebe Emma, die deiner Mutter den wahren Geist der Weihnacht zeigten und das Kinderzimmer mit ihr teilten.“

Emma begann zu verstehen und wurde traurig. Aber Elinora nahm ihre Hand und plötzlich durchflutete ein großes GefĂŒhl der Freude ihren kleinen Körper. Emma wollte eine besondere Überraschung fĂŒr die Kinder in ihrer Nachbarschaft planen und sie brauchte die engelhafte Hilfe von Elinora. Und ihre Augen begannen so zu leuchten, wie die FlĂŒgel des Weihnachtsengels.

Das Weihnachtsfest war gekommen und Familie MĂŒller machte sich nach wie vor Sorgen, ob Emma ihre Spielsachen und Naschereien mit den Nachbarskindern teilen wĂŒrde. Den halben Tag ĂŒber hörten sie Emma in ihrem Zimmer, die etwas Geheimes vorbereitete. Aber sie wussten nicht, was das war. Emma kam noch nicht einmal zum Essen hinunter. Was plante sie bloß? Und dann ging die TĂŒr auf


Emma lief in die Arme ihrer Eltern und gab beiden einen dicken Kuss. „Ich habe eine Überraschung fĂŒr euch. Zieht ihr euch bitte dick an und kommt mit raus?“

Familie MĂŒller war ĂŒberrascht, aber sie taten ihrer kleinen Tochter den Gefallen. Als sie durch die TĂŒr traten und auf dem Weg in das Dorf waren, trafen sie weitere Dörflinge.

Die Familien sahen alle gleichermaßen ĂŒberrascht aus und die Kinder trugen alle einen kleinen Korb, der von einem Tuch bedeckt war. Als sie im Dorfzentrum ankamen, traf sie der Schock. Die Überraschung war sichtlich groß und geglĂŒckt. Auf einer festlich geschmĂŒckten Tafel glĂ€nzten silberne Kerzenleuchter, die ein warmes Licht verbreiteten. Bunte Tischdecken schmĂŒckten den Tisch und umgeben von köstlich duftenden Beilagen und sĂŒĂŸen Leckereien thronten drei wundervolle Torten. Die Dorfbewohner nahmen ihre PlĂ€tze ein, alle plauderten fröhlich miteinander. Die AtmosphĂ€re war von Liebe und Freude erfĂŒllt.

Die Körbe der Kinder wurden auf einer kleineren Seitentafel geleert. Neben Spielzeugen, Kuscheltieren und Kleidung fanden sich auch allerlei Dekorationen und Bilder, aber einige Körbe waren auch leer. Niemand wusste wem was gehörte oder wessen Korb leer war.

Emmas Herz klopfte vor Aufregung, als plötzlich Elinora in einem gleißenden Licht ihre Erscheinung den Eltern prĂ€sentierte. Der Weihnachtsengel berichtete von ihrem Tag mit Emma und was sie alles erlebt hatten. Die Eltern waren ob der engeligen Gestalt völlig ĂŒberwĂ€ltigt und wussten nicht, was sie sagen sollten. Luisa, Emmas Mama wurde traurig und glĂŒcklich zugleich. Sie selbst hatte so viele Jahre in Armut gelebt und erst viele Jahre spĂ€ter verstanden, welche großen Herausforderungen ihre Mutter bewĂ€ltigen musste.

Emma stand auf, holte tief Luft und erklĂ€rte, weshalb sie alle heute zusammenkamen. Emma wollte jedem Kind die Möglichkeit bieten Weihnachten zu erfahren, wie es ist, zu geben und wie es sich anfĂŒhlt, zu empfangen. Jedes Kind durfte sich etwas aussuchen, wenn es denn etwas wollte, und es sich in sein Körbchen legen.

ZurĂŒck in ihrem Zuhause feierte die Familie MĂŒller ein besinnliches Weihnachtsfest. Emma strahlte vor GlĂŒck und erzĂ€hlte ihren Eltern von der wunderbaren Erfahrung mit Elinora. Der Zauber des Weihnachtsengels hatte nicht nur die Stadt, sondern auch das Herz der kleinen Emma verĂ€ndert.

Der Konflikt am Morgen war wie der Schnee geschmolzen und hatte Platz fĂŒr die wahre Magie von Weihnachten gemacht – die Freude, die durch das Teilen entsteht.

So endete die Geschichte von dem kleinen Dorf Morgenstern, wo der Weihnachtsengel Elinora der kleinen Emma zeigte, dass das wahre Geschenk von Weihnachten im Teilen und in der Liebe liegt. Und so feierten sie jedes Jahr nicht nur ein besinnliches Fest, sondern auch die kostbare Tradition, die durch den Zauber des Weihnachtsengels und Emma begonnen hatte.

Schreibe einen Kommentar